Schlaf ist Medizin: Warum guter Schlaf Herz und Gehirn schützt

Am 30. Schlafmedizinischen Symposium der Klinikgruppe Valens wurde deutlich: Schlafstörungen sind kein harmloses Alltagsproblem, sondern ein ernstzunehmender Risikofaktor für Herz, Gehirn und psychische Gesundheit.

Wer schlecht schläft, gefährdet mehr als nur seine Energie am nächsten Tag. Neue Erkenntnisse aus der Schlafmedizin zeigen, wie eng Schlafqualität mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Konzentrationsfähigkeit und langfristiger Gehirngesundheit verbunden ist. Genau darüber diskutierten Fachpersonen aus Medizin und Forschung am 30. Schlafmedizinischen Symposium der Klinikgruppe Valens gemeinsam mit dem GZO Spital Wetzikon und der Clienia Schlössli AG.

Schlaf galt lange als reine Erholungsphase. Heute weiss man: Während der Nacht laufen im Körper hochkomplexe Prozesse ab, die entscheidend für unsere Gesundheit sind. «Schlaf ist kein Luxus und keine passive Ruhephase. Schlaf ist eine biologische Notwendigkeit», sagte Prof. Dr. med. Marc Spielmanns, Chefarzt und Leiter des Zentrums für Schlafmedizin der Klinik Barmelweid, am Symposium in Wetzikon.

Besonders im Fokus standen die Auswirkungen von Schlafstörungen auf Herz und Gehirn. Denn viele Betroffene unterschätzen bis heute, welche Folgen schlechter Schlaf langfristig haben kann.

Schlafapnoe belastet den Organismus

Eine der häufigsten Schlafstörungen ist die obstruktive Schlafapnoe. Dabei kommt es während des Schlafs immer wieder zu Atemaussetzern. Viele Betroffene bemerken davon zunächst wenig. Hinweise sind lautes Schnarchen, Tagesmüdigkeit oder Konzentrationsprobleme.

Lange galt vor allem die Anzahl dieser Atemaussetzer als entscheidend. Neue Studien zeigen jedoch ein differenzierteres Bild. Entscheidend sei vor allem, wie stark der Sauerstoffgehalt im Blut während der Nacht absinkt, erklärte Prof. Spielmanns. «Nicht allein die Zahl der Atemaussetzer ist entscheidend, sondern die Belastung des Körpers durch den Sauerstoffmangel», sagte er.

Diese sogenannten nächtlichen Sauerstoffabfälle können den gesamten Organismus belasten. Das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte oder Schlaganfälle steigt deutlich an. Deshalb müsse Schlafapnoe heute individueller beurteilt werden als früher.

Für Betroffene bedeutet das auch: Wer dauerhaft erschöpft ist oder morgens trotz ausreichender Schlafdauer nicht erholt aufwacht, sollte die Symptome ernst nehmen und medizinisch abklären lassen.

Warum das Gehirn guten Schlaf braucht

Neben dem Herz rückte am Symposium besonders das Gehirn in den Mittelpunkt. Schlechter oder unterbrochener Schlaf beeinflusst nicht nur die Leistungsfähigkeit im Alltag. Er wirkt sich auch direkt auf emotionale Stabilität, Gedächtnis und Konzentration aus.

Besonders alarmierend sind aktuelle Hinweise aus der Forschung zu neurodegenerativen Erkrankungen. Während des Tiefschlafs aktiviert das Gehirn wichtige «Reinigungsprozesse», bei denen Stoffwechselprodukte abgebaut werden. Werden diese Prozesse über Jahre gestört, könnte dies das Risiko für Erkrankungen wie Demenz erhöhen.

«Das Gehirn nutzt den Schlaf, um sich zu regenerieren und schädliche Ablagerungen zu entfernen», erklärte Prof. Spielmanns. Chronisch schlechter Schlaf könne deshalb langfristig Folgen haben, die weit über Müdigkeit hinausgehen.

Gerade in einer Gesellschaft, in der Schlaf oft zugunsten von Arbeit, Bildschirmzeit oder Stress vernachlässigt wird, sei dieses Wissen besonders wichtig.

Schlafprobleme sollten ernst genommen werden

Die Botschaft des Symposiums war klar: Schlaf ist ein zentraler Bestandteil der körperlichen und geistigen Gesundheit. Dennoch warten viele Menschen zu lange, bis sie Hilfe suchen.

Dabei gibt es heute zahlreiche Möglichkeiten, Schlafstörungen zu diagnostizieren und gezielt zu behandeln. Neben medizinischen Therapien spielen auch Schlafgewohnheiten eine wichtige Rolle. Regelmässige Schlafzeiten, weniger Bildschirmzeit am Abend und ausreichend Bewegung können die Schlafqualität deutlich verbessern.

Für Prof. Spielmanns steht deshalb fest: «Wer dauerhaft schlecht schläft, sollte das nicht einfach akzeptieren. Schlafprobleme sind behandelbar und gute Schlafqualität ist ein wichtiger Schutzfaktor für Herz, Gehirn und Lebensqualität.»

Eine Erkenntnis, die am Symposium immer wieder betont wurde und die aktueller kaum sein könnte. Menschen verbringen rund ein Drittel ihres Lebens schlafend. Vielleicht lohnt es sich gerade deshalb, dem Schlaf die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdient.

Bildlegende:
Das Referentenbild zeigt von links nach rechts: Dr. med. Michael Huber, Prof. Dr. Dr. Andreas Boss, Dr. med. Achim Mallmann, Dr. med. Felix Neugebauer und Prof. Dr. med. Marc Spielmanns

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