Tipps für die psychische Gesundheit

Eine gesunde Psyche ist wichtig für unser gesamtes Wohlbefinden. Sie hilft uns, Freude am Leben zu finden, und sie gibt uns Kraft, uns um unsere Probleme und Herausforderungen zu kümmern. Eine gesunde Psyche ist wichtig für unsere Beziehungen, für berufliche und soziale Möglichkeiten und für unseren Körper. Denn leidet die Psyche, leidet der Körper mit. Die WHO hat Daten gesammelt: Einer von 15 Menschen erkrankt pro Jahr an einer schweren Depression. Einer von drei Menschen leidet im Laufe des Lebens an einer psychischen Erkrankung. Die meisten davon werden wieder gesund, wenn sie rechtzeitig Hilfe bekommen.

Ein Patient im persönlichen Gespräch

Psychische Krisen können alle treffen, dennoch fällt es vielen schwer, darüber zu sprechen oder um Hilfe zu bitten. Daher schauen Sie bitte nicht weg und bieten Sie Mitmenschen Hilfe an. Das klingt überfordernd und anstrengend? Das muss es nicht sein, wenn man weiss, wie man sich und anderen helfen kann. Es gibt quasi das «Pflaster für die Seele» – da sein, zuhören und miteinander reden. Oft ist ein Gespräch mit einer Kollegin oder einem Kollegen der erste Schritt zur Besserung. Seien Sie nicht gekränkt, wenn Ihre Hilfe vielleicht zu Beginn abgelehnt wird. Oft kommen Betroffene später wieder auf Sie zu. Zu wissen, dass es Hilfsangebote gibt, ist für viele Betroffene bereits entlastend.

Woran erkennt man, dass jemand oder man selbst an einer psychischen Krise leidet?

Die Gefühle geraten aus dem Gleichgewicht. Gefühle wie Angst, Wut, Verzweiflung, Trauer stehen im Vordergrund. Es kommt zu sozialem Rückzug, manchmal ist man hässig, scheint desinteressiert, müde und antriebslos, erkennt sich selbst nicht wieder oder ist lebensmüde. Für die erste Hilfe braucht es keinen Verbandskasten und keine Medikamente – Sie haben alles Nötige bei sich: Ihre Augen und Ohren, Ihre Stimme, Ihre Hände, Ihre Intuition. Man kann nicht viel falsch machen. Falsch ist nur wegzuschauen.

Wie kann ich mir selbst helfen?

Wichtig ist, dass man sich um sich selbst kümmert – denn nur wenn wir stabil sind, können wir anderen helfen. Das ist wie im Flugzeug, wo man in einem Notfall zuerst sich selbst die Atemmaske aufsetzt und dann erst anderen. Denn wenn ich es anders herum mache, geht es nicht gut. In der Psychologie reden wir über seelische Widerstandskraft oder Resilienz. Resilienz kommt von «resilire», auf deutsch: abprallen. Man kann lernen, resilient und widerstandsfähiger zu werden, indem man lernt zu spüren, wie es einem geht, und so herausfindet, was man braucht, damit es einem ein klein wenig besser geht.

Wie kann man sich im Alltag stärken?

  • sich selbst wie einen guten Freund behandeln
  • sich Zeit nehmen für Bewegung und Natur
  • die Hobbys pflegen
  • sich mit Kolleginnen und Kollgegen treffen
  • auch mal «Nein» sagen
  • Pausen machen und sich Auszeiten nehmen
  • etwas Neues ausprobieren
  • auf die Gesundheit achten und zum Beispiel öfter einmal gesund essen
  • immer wieder einmal geniessen, entspannen und lachen
  • auf die eigenen Ressourcen achten, damit die Batterie immer ein wenig gefüllt bleibt
  • dankbar für alles Gute sein
  • beim Blick in die Zukunft das Positive im Auge haben

In 10 Schritten zur psychischen Gesundheit – mit den folgenden Fragen kommt man dem Ziel immer näher

1. Sich annehmen:

Was mag ich an mir?

Wo bin ich mit mir zufrieden?

Was macht mich in meinem Umfeld glücklich?

Was ist mir heute gelungen?

Über welchen Fehler kann ich lachen?

2. Darüber reden:

Welche Menschen in meinem Umfeld gibt es, die mich unterstützen können?

Habe ich selbst ein offenes Ohr?

Wem kann ich meine Freude und Dankbarkeit ausdrücken?

3. In Bewegung bleiben:

Welche Wege im Alltag kann ich nützen, um mehr Bewegung zu machen?

Was macht mir Freude (Tanzen, Laufen, Joggen, Velo fahren, …)?

Wo / mit wem / zu welcher Tageszeit fällt mir Bewegung leichter?

4. Bewusst essen:

Ein gemeinsames Essen in einer entspannten Atmosphäre kann Freude machen und alle Sinne ansprechen.

Gesunde Ernährung, mit viel frischem Obst und Gemüse und möglichst wenig industriell verarbeiteten Lebensmitteln tut Körper und Seele gut.

5. Neues Lernen:

Was möchte ich gerne können und was brauche ich dazu?

Wer könnte mich dabei unterstützen, Neues zu entdecken?

Gibt es Kurse in meiner Nähe?

6. In Kontakt bleiben:

Wer würde sich über einen Anruf von mir freuen?

Mit wem würde ich gerne reden oder mich treffen?

Mit wem verbringe ich gerne meine Zeit?

7. Kreatives tun:

Was kann ich besonders gut? (kochen, singen, malen, reparieren, gärtnern, tischlern, nähen, gestalten, …)?

Wo kann ich mich kreativ ausleben?

Wann und wie oft nehme ich mir Zeit dafür?

8. Sich beteiligen:

In welcher Gruppe oder welchem Verein fühle ich mich akzeptiert und wertgeschätzt?

Wo kann ich mich ehrenamtlich engagieren?

Gibt es eine Gemeinschaft oder einen Verein, wo ich mich gerne beteiligen möchte?

9. Sich entspannen:

Bei welchen Tätigkeiten kann ich am besten abschalten?

Habe ich genug Freiraum für bewusste Entspannungszeiten?

Welche Aktivitäten geben mir Entspannung, Kraft und Schwung?

10. Um Hilfe fragen:

Wen könnte ich um Hilfe bitten?

Wer kann mir wobei helfen?

Kann ich akzeptieren, dass Menschen Aufgaben anders lösen als ich selbst?

Wo gibt es professionelle Hilfe?

Gabriele Dietmaier
Leitende Psychologin, Rehaklinik Davos Clavadel

Wichtige Krisenhotlines in der Schweiz:

  • 143 (Die Dargebotene Hand): Erste Anlaufstelle, 24/7, für alle Krisenlagen
  • 147 (Pro Juventute): Beratung und Hilfe für Kinder und Jugendliche (Telefon, Chat, SMS)
  • 117 (Polizei): Bei akuter Gefahr oder psychischen Notfällen
  • 145 (Tox Info Suisse): Bei Vergiftungen

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