Menschen mit Parkinson stürzen häufiger als Gleichaltrige ohne neurologische Erkrankung. Ein Forschungsprojekt der Klinikgruppe Valens zeigt, dass ein kurzes, intensives Laufbandtraining in Kombination mit nicht eintauchender virtueller Realität die Sturzhäufigkeit deutlich reduziert. Die Ergebnisse liefern neue Ansätze für die Rehabilitation und die Prävention von Stürzen im Alltag.
Erhöhte Sturzgefahr im Alter durch Gebrechlichkeit und Bewegungsmangel
Mit zunehmendem Alter steigt die Sturzgefahr, vor allem aufgrund von Gebrechlichkeit – zum Beispiel durch weniger Muskelkraft, langsameres Gehen, wenig Bewegung, Gedächtnisprobleme, mehrere Erkrankungen gleichzeitig, Gewichtsverlust und einen überwiegend sitzenden Lebensstil. Daher wurden Programme entwickelt, um die Bevölkerung über Sturzgefahren zu informieren. In der Schweiz informiert die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) über Sturzprävention.
Zusätzliche Risikofaktoren bei Menschen mit Parkinson
Personen mit der Parkinson-Erkrankung haben zusätzliche Risikofaktoren, die sich nur teilweise beeinflussen lassen. Dazu zählen insbesondere die gestörte Haltung, die Verlangsamung, das beeinträchtigte Gleichgewicht, das «Einfrieren» (Freezing), Kreislaufbeschwerden und eine Verlangsamung des Denkens. Bereits bei leichter Verlangsamung des Denkens wird weniger auf das Gehen geachtet, weil die Konzentration für etwas anderes gebraucht wird. Das kann dazu führen, dass man bei gleichzeitigen Aufgaben stürzt.
Laufbandtraining mit virtueller Realität: wirksamer Ansatz aus Studien
Interessanterweise gibt es nur wenige erfolgreiche Interventionen bei Sturzgefahr. In Studien konnten bisher ein einmaliges Sturztraining mit spontanen Hindernissen sowie ein lang anhaltendes Laufbandtraining mit Doppelaufgaben in nicht eintauchender virtueller Realität (VR) überzeugen. Bei der Untersuchung zum Laufbandtraining mit VR trainierten die Probanden sechs Wochen lang jeweils drei Mal pro Woche – mit dem Ergebnis, dass sich die Sturzgefahr beziehungsweise die Anzahl der Stürze in der VR-Gruppe mehr als halbierte.
Forschungsprojekt der Klinikgruppe Valens: kurze Rehabilitation mit messbarem Effekt
Die Klinikgruppe Valens hat nun ein Forschungsprojekt abgeschlossen, das belegt: Bereits eine kurze Rehabilitation mit intensivem Laufbandtraining in Kombination mit nicht eintauchender virtueller Realität ist geeignet, die Sturzgefahr zu reduzieren: Ein Team der Neurologie konnte zeigen, dass bereits ein kurzes, aber intensives, dreiwöchiges Laufbandtraining mit VR zusätzlich zur stationären Rehabilitation eine Reduktion der Stürze bewirkt: 7,3 Stürze drei Monate vorher versus 3,2 Stürze drei Monate nach dem Training. Dabei sprachen in der VR-Gruppe signifikant mehr Personen auf das Training an (Abnahme der Stürze um 30 %) als in der Gruppe, die nur Laufbandtraining erhielt (73 % vs. 25 %).
Doppelaufgaben trainieren Aufmerksamkeit und Bewegung gleichzeitig
Wer beim Laufen gleichzeitig noch andere Tätigkeiten übt – verschiedene Aufgaben am Bildschirm oder auf dem Laufband –, ist bei der nächsten kritischen Situation im «richtigen» Leben aufmerksamer und kann ausweichen. Dieser Effekt lässt sich vermutlich damit erklären, dass sowohl Bewegung als auch Denken trainiert werden – beziehungsweise das Bewältigen von zwei Aufgaben gleichzeitig. Fachpersonen sprechen hier von einer Verminderung des sogenannten «Trade-offs»: Gefahrensituationen werden weniger übersehen, weil sich die Aufmerksamkeit nicht mehr nur auf das Denken oder nur auf die Bewegung richtet.
Wie sich die Therapie auf die Gehfähigkeit im Alltag auswirkt, wird mit Sensoren zusammen mit der EPFL in Lausanne ausgewertet.
Unser herzlicher Dank gilt den Teilnehmenden der Studie und den Förderpartnern: der Hurka Foundation in Zürich, der Horst Kübler Stiftung in Bad Ragaz und der Klinikgruppe Valens.